Das 256-Zonensystem |
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![]() Aus der Autobiografie von Ansel Adams Gebt Deflation, SireWir leben in der Zeit der Superlative, alles ist mega, giga, tera. So wundert es nicht, eine Webseite zu finden, die das 256-Zonensystem kennt. Noch weniger wundert es, wenn auf derselben Seite Adams Zonensystem plötzlich auf 9 Zonen (von 1 bis 9) reduziert ist, der Autor also sich zwar auf Adams beruft, denselben aber unbekümmert verfälscht. Das Zonensystem reicht von 0 bis X, hat also tatsächlich elf Zonen. Wir sprechen dennoch von zehn, und die Zonen resultieren aus Lichtwerten, also Blenden/Verschlusszeitkombinationen. Sie entsprechen einer Verdoppelung beziehungsweise Halbierung des Lichts, das auf den Film oder Sensor gelangt. Es sind Abstufungen, die man deutlich wahrnimmt. Ich beginne auch bei der Arbeit im Labor den ersten Probestreifen mit groben Abstufungen und nähere mich dem richtigen Grundton an. Ein stufenloser Probestreifen hilft nicht. Ich will die Abschnitte erkennen und beurteilen. Der Grundton, der das Motiv am besten trifft wird in weiteren Schritten verfeinert, bis ich am Ziel bin. Das ist logisch, gehen wir doch nicht hinterher vom Histogramm aus, sondern vorher vom Motiv, das wir ausmessen. Ein Histogramm ist ein Histogramm, ein Bild ist ein Bild. Der Autor des 256-Zonen-Systems geht vom Histogramm seiner Digitalkamera aus, die derzeit (was in diesem Bereich wenig heißt) 256 Stufen ermöglicht. Alle paar Jahre können wir das Zonensystem also multiplizieren. Man kann den Unsinn, das Pferd vom Schwanz heraufzuzäumen, denn nichts anderes ist es, ruhig beiseite lassen. Wesentlich sind die zehn Stufen, die eine klare Beurteilung ermöglichen. ![]() Nicht zu glauben: stufenlose Grautöne, Analogkamera: Nikon FM2, Film: Ilford HP5, Zonensystem: 0-X nach Ansel Adams. Dämmerung, 1982 Die Klarheit der zehn Gebote wird vermissen, wer sich die Gesetzesproduktion eines europäischen Standardparlaments ansieht, vom Ausstoß der zahllosen Generaldirektionen der EU ganz zu schweigen. Viel früher schon habe ich ein 256.000-Zonensystem auf der Webseite einer Uni-Assistentin gefunden.
Den Pudding an die Wand genageltIch nenne ein 256-Zonen-System den Pudding an die Wand nageln, sozusagen Pudding 2.0. Was ich dabei nicht erkenne ist der Fotograf nach Flussers Definition: Fotograf: ein Mensch, der sich bemüht, die im Programm des Fotoapparats nicht vorgesehenen Informationen ins Bild zu setzen. Mehr dazu hier. AnnäherungAnlegen, Auslösen, Ausdrucken, das ist für ein gutes Bild zu wenig. Ich brauche oft ziemlich lange, um mich einem brauchbaren Bild anzunähern. Es gibt aber Menschen, denen das schneller gelingt. Isaac Stern berichtete von seinem ersten Treffen mit Toscanini. Isaac Stern war zwar schon Isaac Stern, aber noch jung, und Toscanini berühmt und gefürchtet. Toscanini ließ sofort spielen, und Isaac Stern schwieg dazu, dass vieles nicht stimmte, Einsätze, Tempi und so weiter. Dann ließ Toscanini unverzüglich ein zweites Mal spielen, und diesmal, berichtete Stern, stimmte alles. Auf der Seite fand ich auch Folgendes: Lebte er (Adams) noch, würde er staunen: Die Histogramme in den Digitalkameras erlauben uns ein 256-Zonen-System. Hätte der betreffende Autor Adams gelesen, würde er selbst staunen, womit er sich schon befasst hat. Aber das ist eine andere Geschichte, und diese ist hier zu Ende.
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