Reinhard Kocznar - Fotografie

Reinhard Kocznar • künstlerische Fotografie

home | Galerien | > Praxis < | Kontakt | Über...

Das Zonensystem

Das Zonensystem ermöglichte seinerzeit, ein exakt belichtetes Negativ anzufertigen. Negative gibt es immer noch, auch wenn sie Sache der Liebhaber geworden sind. Die Kraft, die der Schwarzweißfilm einem Bild gibt, finde ich in den Grautönen der Programme nicht, und die einmal erlernten Möglichkeiten der Lichtsteuerung möchte ich auch nicht mehr missen.

Das Zonensystem wurde von Ansel Adams entwickelt und ist genial einfach.

Machtblind, ein Innsbruck-Krimi

Krimis von Reinhard Kocznar

Natürlich kommt vor der Anwendung des Zonensystems die exakte Bildvorstellung, sonst erhält man anstatt einer Komposition nur exakt belichteten Kauderwelsch. Mit dem Zonensystem bekommt man den Kontrastumfang in den Griff. Farben übersetzt man vorher in Grauwerte.

Die Skala der Zonen reicht von 0 (Schwarz) bis X (Weiß), in der Mitte liegt Zone V, Neutralgrau. Die Intervalle entsprechen den Blendenstufen. Ausgehend von Zone V ergibt eine Verminderung um ein Blendenintervall Zone IV oder eine Erhöhung Zone VI. Das ist eine Halbierung oder Verdoppelung des Lichts, das auf den Film gelangt.

Die verwendete Kamera hat für das Zonensystem keine Bedeutung, solange man Belichtungszeit und Blende selbst wählen kann.

Kontraste - Schlosspark Matzen

Stiege in Schloss Matzen
Stiege in Schloss Matzen, 1984

Leider gibt es diese stimmungsvolle Szene nicht mehr. Im Zug der Renovierungen wurde sie erst keimfrei gemacht und dann abgezäunt.

Die Szene war sehr kontrastreich. Der Schatten auf dem Mauerwerk im Hintergrund lief ziemlich zu. Die Lichter auf den Blättern machen die Szene lebendig. Sie waren aber erst im Positivprozess in den Griff zu bekommen.

Das Gegenlicht ruft den Lichtsaum auf der Gestalt hervor und zeichnet die Treppe. Die Gestalt selbst kam zwischen Zone III und IV zu liegen.

Zone X, reines Weiß ohne Zeichnung, kommt nur auf den hellen Streifen der Stiege vor. Die dunkelste Zone ist III, das Mauerwerk im Hintergrund. Zone 0 kommt hier nicht vor, sie entspricht Schwarz ohne Zeichnung.

Ein hoher Motivkontrast verringert die Toleranz, Details in Lichtern und Schatten gehen rasch verloren. Hier kam es darauf an, die vollständige Bildinformation auf dem Film zu sichern.

Ohne Zonensystem hätte ich bei diesem Kontrastumfang niemals ein brauchbares Negativ erhalten. Ein integrierter Belichtungsmesser hätte einen völlig uninteressanten Durchschnittswert geliefert. Ohne die Person erkennen zu können wäre das Bild trotz des lebendigen Lichtspiels langweilig geworden. Danach habe ich die dunklen und die hellen Stellen ausgemessen.

Das Bild ist nur im Positivprozess möglich geworden, der Kontrastumfang war ziemlich groß. Zuerst wird der Grundton (Grauton) festgelegt, Ansel Adams vergleicht es mit der Tonart in der Musik. Der Kontrast wird mit der Faktor-Methode festgelegt, beschrieben in "Das Positiv". Durch Abwedeln und Nachbelichten der entsprechenden Bildpartien werden die Helligkeiten angepasst. Den Positivprozess vergleicht er mit der Interpretation einer Partitur.

Alles in weiß - Raureif

Raureif
Raufreif, Umgebung Klagenfurt, 1988

Das Bild besteht fast nur aus Abstufungen von Weiß. Dennoch sind die wenigen dunklen Partien (Baumstämme, Dach der Kapelle...) genau ausgemessen und damit durchgezeichnet.

Ich hab das Dach der Kapelle in Zone IV gelegt und die Baumstämme in Zone III bis IV. Die vereisten äste liegen in den Zonen VII bis VIII.

Richtzone war III. Ohne durchgezeichnete Baumstämme wäre es ein plumpes Knipsbild geworden. Obwohl das Bild hell wirkt enthält es mit den Stämmen bildwichtige, sehr dunkle Teile. Der Kontrastumfang war nicht das Problem, wohl aber die Abstimmung der Grauwerte.

Die Wipfel gehen teilweise in den Nebel über, der in IX bis X liegt. Was mit dem freien Auge erkennbar war blieb im Bild erhalten

Ohne die Möglichkeit, das Negativ mit dem Zonensystem exakt vorher festlegen zu können wäre die Szene in Grau ertrunken.

So blieb das Leuchten des Nebels erhalten und das Bild strahlt die Kälte aus, die ich an dem nebligen Jännertag dort empfunden habe.

Bei einer kontrastreichen Szene weiß man sofort, was noch durchgezeichnet ist oder welche Lichter überschießen und kann die Belichtung entsprechend korrigieren. Manche bezeichnen das als über- oder Unterbelichten. Das ist falsch, denn beides sind Fehler. Es ist eine verlängerte oder verkürzte Belichtung, man kompensiert das mit der Entwicklung.

Man misst das Bildfeld mit dem Spotbelichtungsmesser aus, ohne den geht es nicht, und legt die Richtzone fest. Dann wird der Rest des Bildfeldes ausgemessen.

Ansel Adams hat das Zonensystem im Lauf seiner Arbeit mit der Großformatkamera entwickelt. Dabei hat man jedes Negativ als Einzelstück. Allerdings funktioniert es mit jeder Kamera. Wenn ich auf eine Szene stoße, die abweichende Belichtung erfordert, dann spendiere ich eben einen eigenen Film. Eine wirklich gute Aufnahme ist das allemal wert, eine schlechte oder mittelmäßige wirft man sowieso weg.

Die digitale Kamera bringt wenigstens diesen Vorteil zurück. Ich kann für jede Aufnahme beliebige Einstellungen wählen, und jede bessere hat eine Möglichkeit zur Spotmessung.

Mit Belustigung verfolge ich die Diskussionen, ob das Zonensystem heute noch zeitgemäß sei. Churchill sagte, wenn du etwas Brauchbares gefunden hast, dann bleib dabei.

Divide et impera

Aus der Autobiografie von Ansel Adams

Das Bild stammt aus der Autobiografie von Ansel Adams. Er hält eine Tafel mit den zehn Zonen. Dabei steht, Gott schuf das Licht und er (Adams) teilte es in zehn Zonen. Von Null an gezählt sind es zwar elf, aber das wäre Erbsenzählen.

Einen schnellen Weg gibt es nicht, auch keinen crash-Kurs. Das Zonensystem ist auch nur der Anfang, danach folgt die Ausarbeitung. In der Zeit der Digitalkameras wird das gern übersehen.

John Sexton, früherer Assistent von Ansel Adams, bemerkte über Perfektion in der Bildwiedergabe: Anfänger kopieren und vergrößern oft mit hohem Kontrast, um gute Weißen und Schwärzen zu bekommen, übersehen dabei aber irgendwie die feinen Abstufungen der Grauwerte. Vielen wird beigebracht, dass - sobald das Papier gute Weißen und Schwärzen zeigt - sie auch ein gutes Bild erzielt hätten. In Wahrheit aber sind sie damit erst an dem Punkt, wo sie mit der Wiedergabe des Negativs beginnen können - sie haben nichts weiter als einen brauchbaren Probestreifen! (Aus: Ansel Adams, Das Positiv)

Wer sich für das Zonensystem interessiert der kauft sich am besten die Bücher von Ansel Adams und lässt alle anderen Erklärungen getrost beiseite. Das Zonensystem ist im Band "Das Negativ" beschrieben.

Schwärzungskurven

Schwärzungskurve
Schwärzungskurven

Das Zonensystem ermöglicht sozusagen das Navigieren in der Schwärzungskurve des Films. Von den meisten Filmen konnte man die Schwärzungskurve beim Hersteller herunterladen.

Ab einem bestimmten Schwellenwert reagiert die Emulsion auf das Licht. Die Zunahme der Schwärzung bei steigender Intensität und damit das Verhalten des Films sieht man an der Kurve.

Mit eigenen Testaufnahmen kann man feststellen, wo die jeweilige Zone zu liegen kommt. Wichtig ist das besonders in den Grenzbereichen.

Auch wer sich das nicht antun will hat mit dem Zonensystem immerhin die Belichtung so eingerichtet, wie sie seiner Bildvorstellung entspricht.

Ein brauchbares Negativ

Man steuert mit dem Zonensystem die Belichtung, die das Negativ erreicht. Das setzt aber voraus, dass man einen Spotbelichtungsmesser verwendet und eine Kamera, bei der man Belichtung und Blende selbst einstellen kann.

Narrensichere Kameras bieten das nicht, deren eingebaute "Intelligenz" verhindert die eigene Kreativität und liefert vergleichbare, zufällige und durchschnittliche Bilder (Flusser).

Kreativität setzt die Beherrschung des Handwerks voraus, also auch die Herrschaft über seine Kamera. Wer sich für das Zonensystem interessiert ist am besten bei Ansel Adams aufgehoben. In dem Buch "Das Negativ" ist es leicht verständlich beschrieben.

Der Belichtungsmesser

Der eingebaute Belichtungsmesser liefert einen Durchschnittswert. Damit ist bereits hier die Gestaltung zu Ende. Fortgeschrittene Methoden wie Mittenbetonung gewichten das, was sie für uns gesehen und berechnet haben, anders. Damit ist vor dem Auslösen schon eine weitere Generation dessen vorhanden, was der Apparat anfänglich vermutet hat.

Mit einem Spotbelichtungsmesser misst man jeden Winkel des Bildes aus und teilt die Zonen selbst ein.

Die Graukarte

Die Graukarte ist grau, sie entspricht dem Standardgrau 18% Reflexion. Das ist der mathematische Mittelwert einer geometrischen Reihe von Schwarz nach Weiß.

Es ist der Referenzwert, so wie der Kammerton A in der Musik. Von diesem Wert aus werden die anderen Zonen festgelegt, man bekommt ein Bild nach Wunsch.

Alles ist relativ

Es gibt eine Sorte ungemein überlegener Menschen, die gern versichern, alles sei relativ. Das ist natürlich Unsinn, wie Bertrand Russell in seinem ABC der Relativitätstheorie bemerkte. Wenn alles relativ wäre, dann gäbe es nichts, wozu es relativ sein könnte.

Absolut ist hier Zone V, Standardgrau, 18% Reflexion.