Programme und Funktionäre |
Belichtungsmessung, automatischeTippt man den Begriff "Belichtungsmessung" bei Wikipedia ein, erscheint (Ende 2009) 1-20 von 278 für Belichtungsmessung, bei Google 337.000. An ehrfurchtgebietenden Ausdrücken mangelt es nicht, mit den Begriffen könnte man ein Lexikon zusammenstellen. Dürftige ResultateEinfach vorherzusagen ist es bei schwierigen Verhältnissen, also starken Kontrasten, Gegenlicht oder dem bekannten weißen Hasen im Schnee: keine der Methoden bringt ein brauchbares Ergebnis. Bei einfachen Verhältnissen (die der Apparat beherrscht), erschließt sich nicht auf den ersten Blick, was hier abläuft: der Apparat führt den Menschen. Der Apparat wird von einem Operator bedient, oder in Vilém Flussers Definition von einem Funktionär. Die folgenden Zitate aus Flussers "Für eine Philosophie der Fotografie" sind kursiv geschrieben. Funktionär: ein mit Apparaten spielender und in Funktion der Apparate handelnder Mensch. Mit einem Fotografen hat das wenig zu tun. Mir gefällt die Bezeichnung Operator daher ganz gut. Der Fotograf hat eine Bildvorstellung, die er umsetzen will. Dafür muss er das Material im Griff haben und den Apparat beherrschen, nicht umgekehrt. Eingebaute Assistenten kann man nicht beherrschen, sie nehmen einem die Arbeit nicht ab, sondern weg. Fotograf: ein Mensch, der sich bemüht, die im Programm des Fotoapparats nicht vorgesehenen Informationen ins Bild zu setzen. RedundanzAus Vilém Flussers Essay Für eine Philosophie der Fotografie, Abschnitt Der Empfang der Fotografie Der Knipser unterscheidet sich vom Fotografen durch seine Freude an der strukturellen Komplexität seines Spielzeuges. Im Gegensatz zum Fotografen und Schachspieler sucht er nicht nach "neuen Zügen", nach Information, nach Unwahrscheinlichem, sondern will seine Funktion dank immer perfekterer Automation immer weiter simplifizieren. Die für ihn undurchschaubare Automatizität des Fotoapparates berauscht ihn. Fotoamateurclubs sind Orte der Berauschung an apparatischen Strukturkomplexitäten, Orte von Trips, nachindustrielle Opiumhöhlen. ... Die Kamera verlangt von ihrem Besitzer (von jenem, der von ihr besessen ist), immerfort zu knipsen, immer weiter redundante Bilder herzustellen. Die Fotomanie der ewigen Wiederholung des Gleichen (oder sehr Ähnlichem) führt schließlich zu einem Punkt, von dem ab sich der Knipser ohne Kamera blind fühlt: Drogengewöhnung setzt ein. ... ...das gilt für alles dokumentarische Fotografieren. Der Dokumentarist, nicht anders als der Knipser, interessiert sich für immer neue Szenen in immer der gleichen Sichtweise. Der Fotograf im hier gemeinten Sinne ist hingegen (ähnlich dem Schachspieler) interessiert, auf immer neue Weise zu sehen, also neue, informative Sachverhalte herzustellen. ... Knipser und Dokumentaristen jedoch haben die Information nicht begriffen. Sie stellen Apparatgedächtnisse her, nicht Information, und je besser sie dies tun, desto besser belegen sie den Sieg der Apparate über den Menschen. GleichberechtigungWenn ich die Kamera ansetze, blicke ich durch einen Apparat, in dem Marketing-, Entwicklungsabteilungen und zahllose Programme meinen Blick filtern und meine Schritte lenken. Mit dem Zonensystem kann ich wenigstens vor dem Auslösen das Licht beherrschen, anstatt mich von Assistenten wie Landschaft, Porträt, Nachtaufnahme und so weiter an der Hand führen zu lassen. Meinen Apparat informiere ich selbst, nicht umgekehrt.
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