available light - künstlerische Fotografie
Reinhard Kocznar • künstlerische Fotografie

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Die Biennale
Der Sündenfall

Solange die Qualität stimmt, ist die Marke nicht so wichtig. Kein Mensch fragt heute, mit welchem Pinsel Leonardo die Mona Lisa gemalt hat. Wichtiger ist, sich mit wesentlichen Eigenschaften auszukennen. Eine gute Einführung dazu bietet das Buch den 1984 verstorbenen Ansel Adams, Die Kamera. Seit damals hat sich nichts wesentliches geändert. Auch die digitale Kamera hat ein Objektiv, und das steht vor den Pixeln.

Ein wenig sollte man über die Kamera wissen. Zoom ist mehr als nur näher ran oder weiter weg, und die Blendenöffnung bedeutet mehr als hell oder dunkel. Wer ein Bild gestalten will muss wissen, wie sich die verwendete Brennweite auswirkt und Blende und Belichtungszeit selbst einstellen können.

Die Blende

Im Objektiv drin ist eine Vorrichtung, mit der die einfallende Lichtmenge gesteuert wird, die Blende. Das ist im Prinzip nur ein Loch, das man größer oder kleiner machen kann. Es funktioniert wie die Iris des Auges. Im Gegensatz zur Iris können wir die Größe des Lochs selbst festlegen und damit Einfluss auf die Bildgestaltung nehmen.

Eine veränderte Blendenöffnung hat nämlich einen weiteren Effekt und bedeutet mehr als hell oder dunkel. Eine Änderung der Brennweite verändert die Schärfentiefe. Beurteilen kann man den Effekt nur mit der Spiegelreflexkamera.

Eine große Blende, erkennbar an der kleinen Zahl, z.B. 1.8, lässt viel Licht durch, Blende 22 ist dagegen sehr klein und lässt wenig Licht durch. Bei Verwendung einer großen Blende ist nicht mehr die gesamte Tiefe des Bildfeldes scharf, sondern nur mehr ein bestimmter Teil desselben. Dieser Effekt kann gestalterisch eingesetzt werden.

Käfer

Die Schärfentiefe

Eine große Blende verringert die Schärfentiefe, man kann damit zum Beispiel bei einem Porträt den Hintergrund "ausblenden". Er wird dann unscharf, das Gesicht hebt sich klar davon ab.

Man gibt die Blende vor und passt die Belichtung an. Den Autofokus stellt man dazu natürlich ab. Bei selektiver Wahl der scharfen Zone ist er unbrauchbar.

Die beiden Käfer sind scharf, der Schatten dahinter ist eine Hauswand.

Als Hauswand hätte sie dem Bild nichts beizutragen, als Schatten trennt sie den Hintergrund der beiden Käfer und gibt jedem einen eigenen Raum.

Am Zoom drehen bedeutet also mehr als näher ran oder weiter weg: das Bild verändert sich grundlegend.

Wenn man weiß, wie sich die Brennweite auswirkt hat man das Wichtigste schon begriffen. Man kann Objektive in drei Klassen unterteilen: Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv.  Ausführlich beschrieben ist es bei Ansel Adams, "Die Kamera".

Ich habe es mir angewöhnt, bei der Betrachtung eines Bildes auf die verwendete Brennweite zu schließen und das Bild rückzuübersetzen, wie die Szene tatsächlich ausgesehen haben könnte.

Brennweite des Objektivs

Eine der Eigenschaften des Objektivs, gleichgültig, um welche Kamera es sich handelt, ist die Brennweite. Für den uninformierten Benutzer ist das näher ran oder weiter weg, oder mehr oder weniger am Bild. Tatsächlich hat sie wesentlichen Einfluss auf das Bild.

Normalobjektiv

Bei der Kleinbildkamera (24*36) ist die Brennweite 50 mm, das entspricht etwa der Brennweite des menschlichen Auges. Gute Objektive sind sehr lichtstark. Der Nachteil ist, dass man damit schnell ein langweiliges Bild produziert hat.

Wie überall gibt es Ausnahmen. Henri Cartier-Bresson verwendete grundsätzlich das Normalobjektiv, und er war einer der größten Fotografen.

Tor zum Schlosspark Ambras
Schlosspark, Tor

Teleobjektiv

Längere Brennweite. 85mm bei Kleinbild, 150 mm bei Mittelformat ist eine gute Brennweite für Porträts.

Man kann meistens damit nicht nahe rangehen, dem Bild bekommt es. Diese Objektive raffen das Bildfeld, Aufmerksamkeit bei der Komposition vorausgesetzt erhält man ein starkes, aussagekräftige Bild.

Ein Beispiel für eine extreme Brennweite, aufgenommen mit einem 500mm Spiegelobjektiv.

Brennweiten dieser Art sind schwer zu handhaben und haben nur mehr geringe Lichtstärke, aber die Bilder werden sehr ausdrucksstark.

Weitwinkel

Kürzere Brennweite. Man bekommt damit sehr viel drauf, was man den meisten Bildern auch ansieht. Bedingt durch die Fülle der Details ist der Aufwand beim Organisieren des Bildfeldes hoch, was gern übergangen wird.

Ein weiterer Effekt ist der, dass der Vordergrund "gedehnt" wird. Auch das wird gern übersehen, es muss in die Bildgestaltung einbezogen werden.

Was näher am Objektiv liegt, wird vergrößert dargestellt. Deshalb ist das Weitwinkelobjektiv bei der Fotografie von Personen der Alptraum schlechthin. Ein Wasserkopf ist damit schnell produziert, oder ein Fuß unproportional groß.

Der Sucher

Einfache Apparate haben nur den Sucher. Er zeigt ein Bild, das ungefähr in der Nähe des gewünschten Bildfeldes liegt.

Bei der Spiegelreflexkamera blickt man durch das verwendete Objektiv.  Man sieht damit genau das, was dann auf den Film (oder den Sensor) gelangt, und zwar mit der gewählten Brennweite und Blendenöffnung. Je nach Einstellung hat das erheblichen Einfluss auf das Bild. Bei der Sucherkamera bekommt man ein Zufallsergebnis.

Den Bildschirm der digitalen Apparate kann man für das Menü verwenden. Er ist für Feinheiten des Bildes ohnehin unbrauchbar.